|
Alles Gänsehautin Schwerin
SILLY
bringt am
18.09.2010 die Freilichtbühne zum Glühen
Nach dem Konzert ist vor dem Konzert!"
versuchte ich mich selbst zu trösten, als der einzigartige Abend in der
Zitadelle viel zu schnell vorüber war. Aber bis November warten? Das ging auf
keinen Fall und deshalb beschloss ich kurzerhand, drei Wochen später auch nach
Schwerin zu fahren. Zum Glück! Denn wer hätte gedacht, dass Schwerin sooo
rockt?! Aber immer der Reihe nach…
Das Wochenende begann für mich diesmal
ziemlich zeitig. Als meine Kollegen mitbekamen, dass ich einen Ausflug von Den
Haag nach Schwerin plante, wollten sie mich unbedingt schon am frühen
Freitagnachmittag losschicken. Dagegen war natürlich nichts einzuwenden und so
fand ich mich bereits gegen 15:30 Uhr unterwegs in Richtung Osten. Trotz der in
den Niederlanden unvermeidbaren Staus kam ich gut durch und landete gegen 0:30
Uhr zufrieden in meinem Hotel… Das SILLY-Wochenende konnte beginnen!
Passenderweise hatten die SILLYs kurzfristig
eine Autogrammstunde im Schweriner Schlossparkcenter angekündigt. Und als ich am
frühen Nachmittag erst mal nur die Lage auskundschaften wollte, liefen mir
prompt die ersten FCler über den Weg. Schön, wieder einige bekannte und auch
neue Gesichter zu sehen!! Mittlerweile ist das Treffen mit den anderen
Virus-Infizierten genauso ein beliebter Teil des Erlebnisses wie das Konzert der
SILLYs selbst geworden.
Mit etwas Verspätung kamen dann die SILLYs
über das Laufband aus der oberen Etage und wurden von der inzwischen
versammelten Menge eher nordisch zurückhaltend begrüßt. Gespannte Gesichter
folgten der kurzen Einführung und nachdem sich Anna, Uwe, Ritchie und Jäcki mit
ihren Schreibgeräten bewaffnet hatten, machten sie sich an die Arbeit. Neben
jeder Menge Autogrammkarten, Alles Rot-Cover und Booklets wurden auch so manche
Fan-Schätze aus Amiga-Zeiten, Setlisten oder Bücher signiert.
Die SILLYs widmeten sich ihren Fans mit
gewohnter Ausdauer und freundlichem Lächeln. Sie absolvierten einen wahren
Autogrammmarathon, der lediglich von den zahlreichen Fotos für und mit Fans
unterbrochen wurde. Und auch wir FCler nutzten unsere Chance zu einem ganz
besonderen Foto – diesmal standen wir nicht nur sprichwörtlich, sondern auch
tatsächlich hinter der Band, um zu zeigen, dass wir ihnen den Rücken stärken. An
dieser Stelle noch einmal herzlichen Dank an Holger für den Einsatz als
Fotograf!
Nach gut zwei Stunden verabschiedeten sich die
SILLYs vorerst und machten sich auf den Weg zum Soundcheck auf der
Freilichtbühne. Schnell hatten sich die etwa 400 Fans wieder verstreut, aber wir
waren sicher, dass wir den einen oder anderen am Abend wieder treffen würden.
Auch wir suchten uns ein ruhiges Plätzchen, um uns für das bevorstehende Konzert
zu stärken. Den idealen Ort dafür fanden wir am Schweriner See, wo wir mit Blick
auf die Schlossinsel und einem kühlen Getränk in der Sonne saßen und dem
Soundcheck der SILLYs lauschten.
Gegen 18:00 Uhr ging es dann auf zum letzten
und eigentlichen Ziel des Tages. Vor dem Eingang zur Freilichtbühne hatten sich
schon etliche Fans versammelt und wir konnten weitere FCler begrüßen. Als die
Security kurz darauf die Tore öffnete und die Wartenden gelassen aber
zielstrebig die Sitzreihen und nicht die Plätze direkt vor der Bühne
ansteuerten, waren wir überrascht. So leicht hatten wir unsere Plätze in der
ersten Reihe noch nie erobert… Wir spekulierten noch darüber, ob es Anna viel
Anstrengung kosten würde, das Publikum hier im Norden zum Mitmachen zu bewegen.
Aber als ich mich das nächste Mal umdrehte, gab es keinen Abstand mehr. Das Rund
war gut gefüllt mit erwartungsfrohen SILLY-Fans.
Wie bereits in der Zitadelle, eröffnete Tim
Bendzko auch heute gemeinsam mit seiner Band den Abend. Das Publikum lauschte
ihm aufgeschlossen und nahm seine Songs schnell an. Es gelang der Band, das
Publikum zum Mitsingen und -tanzen zu bewegen und so auf die SILLYs
einzustimmen. Mit dem Einsatz bei „Ich hab heut keine Zeit“ bewies der Chor vor
der Bühne dann, dass die Stimmbänder trainiert und fit für den bevorstehenden
Einsatz sind. Aber nicht nur das Publikum, sondern auch der junge Mann auf der
Bühne hatte erkennbar Spaß an der Sache. Seit seinem ersten Auftritt als
SILLY-Support hat sich einiges getan – selbstbewusst präsentiert er sich selbst
und seine Songs und genießt offensichtlich das Spiel mit dem Publikum. Da freut
es umso mehr, zu wissen, dass die SILLYs nicht nur an ihren eigenen Erfolg
denken, sondern auch Nachwuchskünstler unterstützen.
Nach der üblichen kurzen Umbaupause ist dann
alles bereit für das Highlight des Abends. Ungeduld breitet sich langsam aus und
plötzlich wird die dunkle Bühne in ein sanftblaues Licht getaucht. Die ersten
Töne des Intros erklingen und im Publikum kehrt Stille ein. Jetzt die Augen
schließen und tief durchatmen… Mit Begeisterung und lautstarkem Applaus werden
die Jungs begrüßt. Mindestens genauso großer Jubel schlägt Anna entgegen, als
sie mit „Nackter als Du“ einsteigt und schon sind wir mittendrin. Es ist, als
gäbe es kein gestern und kein morgen – nur heute, nur diesen Abend!
Sie spielen uns die Songs des inzwischen
vergoldeten Albums, einen nach dem anderen und nehmen uns mit auf die Reise
durch das SILLY-Land. Auf dieser Reise werde ich einmal mehr an mich erinnert,
ich verlasse mich und finde wieder zu mir zurück. Hier habe ich keine Angst
vor'm Fallenlassen und vor'm Flug, im Gegenteil, ich treibe mit den anderen ins
Meer der SILLY-Songs hinunter und genieße jeden einzelnen davon. Anna und die
Jungs geben alles und das Publikum dankt es ihnen. Keine nordische
Zurückhaltung, sondern die blanke Begeisterung schlägt auf die Bühne zurück.
Plötzlich scheint der Mont Klamott im Schweriner Schlossgarten zu stehen. Hier
träumen Fans und Musiker lautstark vom Attentat, die Dampfmaschine stampft volle
Kraft voraus und jeder scheint bereit, dem Kapitän bis zum Finale zu folgen. Wer
den SILLY-Virus vorher noch nicht in sich trug, nimmt ihn spätestens heute Abend
mit nach Hause.
Auch Anna und die Jungs sind von der
einzigartigen Stimmung und der Kulisse sichtlich beeindruckt. Nur für das
Konzert in der Zitadelle wurden bislang mehr Tickets verkauft als für den
heutigen Abend, aber setzt man die Einwohnerzahlen in Verhältnis zueinander, so
entpuppt sich der Norden als SILLY-Hochburg. Und obwohl das so lang ersehnte
"Baby" der SILLYs doch erst ein knappes halbes Jahr alt ist, scheint es den hier
Anwesenden nicht nur bestens bekannt, sondern auch fest ans Herz gewachsen zu
sein. Textsicher singen die Nordlichter und Zugereisten mit. Die neuen und die
alten Songs mischen sich und werden begeistert aufgenommen. Wir rücken
aneinander und träumen von der fahlen Sehnsucht, halten das Leben fest und
fliegen weit weit raus ins Freie, um unsere Seelen in der dunklen Nacht zu
finden. Jeder genießt auf seine Art – hier wird gerockt, geträumt, gepfiffen,
getanzt, gejohlt, geschwelgt und geklatscht.
Auch beim Elektroakustik-Part bleibt nur kurz
Gelegenheit, zur Ruhe zu kommen. Immer wieder atme ich tief durch, um möglichst
viel von dieser einzigartigen Atmosphäre in mich aufzusaugen. Auf einmal bin ich
glücklich und traurig zugleich. Ich bin sehr froh darüber, dass „Asyl im
Paradies“ seit einiger Zeit wieder mit im Programm ist. Und als die ersten Takte
erklingen, ist auch er wieder da – der altbekannte Kloß im Hals, der bei der
heutigen Gänsehaut-Atmosphäre noch größer scheint als sonst. Ich freue mich über
die gelungene Verbindung von alt und neu, über einst und jetzt, die Geschichte
und die Gegenwart von SILLY.
Obwohl das längst nicht mehr nötig ist,
beweisen die SILLYs mit ihrem Herzenssong, dass in ihnen drin „Alles Rot“ ist.
Und das Publikum tut es ihnen gleich, auch die Fans hier auf der Freilichtbühne
sind das Gegenteil von tot und bringen die herbstlich kühle Schweriner Nacht zum
Glühen. Bei der sich nahtlos anschließenden Reprise zeigen Anna und die Jungs zu
meiner Begeisterung einmal mehr ihre Leidenschaft und scheinbar endlose Energie.
Alle Sieben holen auch die vermeintlich letzten Noten aus sich und ihren
Instrumenten heraus – als ob es darum ginge, sie "leer zu spielen". Sie scheinen
in ihrer eigenen Welt zu schweben und nehmen uns doch mit dorthin.
Zeitgleich mit dem letzten Takt brandet der
begeisterte Schlussapplaus des Publikums auf und mit einem kurzen Winken
verschwinden die SILLYs von der Bühne. Bei den sich nahtlos und lautstark
anschließenden Zugabe-Rufen lassen sie uns zum Glück nicht lange warten. Ich
freue mich wie jedes Mal über das nun folgende Labyrinth der Gefühle, gegen das
ich mich nicht wehren kann und auch nicht will. "Bataillon d'Amour" ist
zweifellos eines meiner ganz persönlichen Highlights. Dann blitzen noch einmal
die Gesichter auf wie Lichter, sie machen uns satt mit ihrer und unserer Musik –
aber keinesfalls müde. Auch diesmal will der Applaus nicht enden und so
schließen wir als allerletzten Song den ganz besonderen Gruß an Tamara mit in
die Eindrücke dieses fantastischen und sehr emotionalen Abends ein.
Noch schwer beeindruckt vom soeben Erlebten
stehen wir da – der eine oder andere mit einer Träne im Knopfloch und versuchen,
die Eindrücke langsam zu verarbeiten. Leider bleibt dazu nicht viel Zeit, denn
auch hier muss die Technik direkt im Anschluss abgebaut werden, so dass uns die
Security in Richtung Ausgang schickt. Aber das gilt heute nicht für mich, denn
ich habe Backstage noch eine Verabredung mit einem Herrn, der wohl noch nichts
davon weiß…
Zum Glück haben unsere Mathilden bereits vor
dem Konzert das Überraschungspaket hinter der Bühne deponiert. Schnell aus dem
Versteck geholt und mit dem Geschenk in Positur gestellt, reagiert Herr Petereit
zuerst und bietet ganz uneigennützig an, beim Tragen behilflich zu sein. Aber er
hat keine Chance – sein Geburtstag ist bereits vorbei und dieses Geschenk gilt
Daniel, dem ich nachträglich zum 30. Geburtstag die Glückwünsche und das
Geschenk der FCler überbringen will. Als Daniel langsam ahnt, was ihm blüht,
ändert sich sein Gesichtsausdruck von verblüfft zu angenehm überrascht. Nicht
weniger überrascht bin ich selbst, als sich er sich kurzerhand für sein Geschenk
bedankt, ohne es jedoch auspacken zu wollen. Die Erklärung dafür liefert er
prompt: Er vermutet einen alkoholhaltigen Inhalt und hat Angst um sein Geschenk.
Er befürchtet offensichtlich, dass es einer kollektiven Vernichtung an der
Hotelbar zum Opfer fallen könnte…
Aber die Entscheidung wird ihm abgenommen,
denn ein Chor verlangt plötzlich lauthals „Auspacken, auspacken!“. Erst
vorsichtig, dann bestimmter und zum Schluss mit einem Grinsen im Gesicht legt er
den Inhalt des Kartons frei. Er hängt sich zuerst das rote FC-Schlüsselband um
und verkündet dann, dass er sich diese Flasche an einem ruhigen Abend mal ganz
alleine gönnen wird, allenfalls seiner Frau wird er ein Gläschen davon abgeben.
Wir können ihm darin nur zustimmen: Richtig so, Daniel! Und lass es dir
schmecken! Nachdem wir mit Daniel auf seinen Geburtstag – natürlich nicht aus
der soeben überreichten Flasche – angestoßen und uns ein wenig unterhalten
haben, drängen die SILLYs zum Aufbruch. Kurz darauf verabschieden wir uns und
machen uns auf den Heimweg.
Auf meinem Weg durch das nächtliche Schwerin
habe ich noch die SILLY-Songs im Kopf und die Eindrücke von einem ganz
besonderen Konzert im Herzen. Wieder einmal frage ich mich, was diese Band und
ihre Musik so außergewöhnlich macht... Was ist es, das die Fans infiziert, sie
süchtig nach mehr macht und nicht mehr los lässt? Darauf hat sicher jeder seine
eigene Antwort – ganz individuelle Eindrücke, Erfahrungen und Empfindungen. Für
mich ist es die einzigartige Mischung, die Herz und Verstand erreicht. Die
Songs, die kraftvoll und wütend sein können oder auch leise und sanft, aber
nicht minder intensiv. Die grandiosen Arrangements, die die Songs zu Hymnen
werden lassen und mich dazu bringen, sie erst mit der passenden Lautstärke
richtig genießen zu können – vor allem und immer wieder live.
Grit aus Den Haag
+++ Fotos folgen in Kürze +++
Ein ganz großes Dankeschön an Grit für ihren ganz
persönlichen und emotionalen Bericht.
zurück zur Übersicht zu den sonstigen Konzerten 2010
|