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ALLES ROT infiziert die Fabrik
SILLY in Hamburg
am 30.06.2010

 

Schon seit langem hatte ich mich auf das Konzert in der Fabrik gefreut, sollte es doch das Abschluss-Highlight der ALLES ROT-Tour im Mai werden. Inzwischen ist es zwar Ende Juni, aber ein Highlight soll es trotzdem werden. Nicht umsonst freuen sich auch die SILLYs schon seit langem darauf, diese Konzertlocation zu erobern – berühmte Musiker haben in der Fabrik ihre Spuren hinterlassen und unsere SILLYs werden sich heute Abend hier einreihen.

 

Den Kopf noch voller Eindrücke vom gestrigen Gänsehautkonzert in Magdeburg mache ich mich nach nur vier Stunden Schlaf und einem verkürzten Arbeitstag auf den Weg. Jetzt noch schnell Sandra einsammeln und auf geht’s nach Hamburg. Als wir kurz nach 17:00 Uhr an der Fabrik eintreffen, ist die sich erst langsam sammelnde Fanschar noch sehr übersichtlich. Aber da auch dieses Konzert an einem Wochentag stattfindet, setzen wir auf die Erfahrungen aus Magdeburg und warten erst mal ab. So haben wir Gelegenheit, zwei mittlerweile gute Bekannte zu begrüßen und uns kurz mit ihnen zu unterhalten. Nachdem wir Tim und Daniel kürzlich bei der Berliner Feté de la Musique in der Bandbesetzung erleben durften, erfahren wir nun, dass für 2011 die Veröffentlichung der ersten CD geplant ist. Wir können also gespannt sein, wie es hier weitergeht.

 

Als wir nach einer kurzen Stärkung wieder an der Fabrik zurück sind, haben sich schon einige Leute versammelt und wir entdecken ein bekanntes Gesicht mit dem dazugehörigen Fanclub-Shirt. Prima, jetzt sind wir also schon zu dritt – und dabei hatten wir uns gestern Abend schon mal prophylaktisch bei Ritchie dafür entschuldigt, dass wir in Hamburg wohl nur zwei FC-Mitglieder sein werden… Noch immer warten alle in ehrfürchtigem Abstand vom Eingang, irgendwie scheint sich keiner direkt an die Tür zu trauen, nur wir haben damit kein Problem. Zügig bildet sich hinter uns die gewohnte Fanwarteschlange und die Vorfreude auf den Abend steigt. So langsam kommt auch Bewegung ins Foyer – der Veranstalter bereitet den Einlass vor.

 

Ganz ruhig und norddeutsch entspannt geht es dann los… und wir betreten kurz darauf die wohl ungewöhnlichste Location der bisherigen Tour. Wie der Name vermuten ließ, handelt es sich um einen alten Industriebau. Im hohen kirchenschiffartigen Mittelteil befindet sich die Bühne, auf der es heute wohl ziemlich eng und kuschelig zugehen wird. Dazu bieten sich unter der Holzträgerkonstruktion auf den seitlichen Podesten einige Sitzplätze und von den umlaufenden Galerien ein hervorragender Überblick auf das Geschehen.

 

Überraschenderweise fangen Tim und Daniel etwas später an als sonst und verraten den Grund dafür nach dem ersten Song – der Veranstalter hat wohl wegen der Lautstärke Schwierigkeiten mit den Nachbarn. Das erklärt auch, warum mit Konzertbeginn die Dachklappen geschlossen werden, was die sommerlichen Temperaturen noch erheblich steigen lässt. Tim und Daniel geben ihr Bestes, um das Publikum mit ihren Songs auf den Hauptact des Abends einzustimmen. Doch leider ist das Hamburger Publikum nicht besonders freundlich zu ihnen und es kommt keine richtige Stimmung auf. Wir finden die Unterstützung der SILLYs für die Nachwuchsmusiker ausgesprochen positiv und umso unverständlicher ist uns auch die Ansicht eines Journalisten, der meint: "Wen interessiert schon der Support-Act?"

 

Die sich anschließende Umbaupause fällt heute kürzer aus und trotzdem ertönen laute Buhrufe und Pfiffe, weil die SILLYs nicht sofort im Anschluss mit dem Konzert beginnen. Irgendwie scheinen die Leute hier anders zu ticken – jedenfalls ist von der norddeutschen Zurückhaltung nichts zu spüren. Als dann das Intro erklingt, beruhigt sich die Meute und beobachtet gespannt, was sich auf der Bühne abspielt. Im Gegensatz zu Magdeburg übt sich das Publikum – abgesehen von einem kurzen Streit zwischen Fotografen und Konzertbesuchern in der ersten Reihe – allerdings vorerst in Zurückhaltung.

 

Während die SILLYs bei inzwischen tropischen Temperaturen mit NACKTER und ICH VERLASSE MICH loslegen, kommt in die Reihen vor der Bühne nur langsam Bewegung. Während ich noch verwundert meinen Nachbarn zur Rechten ansehe, der tatsächlich mit verschränkten Armen dasteht, scheint der Funke bei der Single-Auskopplung ICH SAG NICHT JA dann endlich überzuspringen. Zum Glück sind hier wie überall eingefleischte SILLY-Fans im Publikum verstreut, die das ihre zur Stimmung beitragen und textsicher mitsingen. Und so kommt es, wie es kommen muss – die Leidenschaft der Musiker und die Hitze des Abends bringen auch die Hamburger Fabrik zum Kochen.

 

Von einem Song zum nächsten wird die Stimmung heißer und explosiver – und entlädt sich bei NOCH und MONT KLAMOTT. Jetzt ist niemand mehr brav, stattdessen wünschen wir uns, dass "unsereins 'n bissel frische Luft zum Atmen" hätte. Der anschließende Elektroakustik-Mix bietet dann die Chance zum Durchatmen. Bei FLIEG und VERLORENE KINDER macht sich wieder diese gewisse Sehnsucht breit – das zu tun, was man sich im Alltag meist nicht traut, mal etwas Neues zu beginnen und nicht mehr in der Masse verloren zu sein. Auch SO 'NE KLEINE FRAU wird wie überall mit begeistertem Applaus begrüßt. Dank der genialen Musiker auf der Bühne kann die Gier nach Glück bei vielen zumindest für den heutigen Abend gestillt werden. Bei den letzten verträumten Klavier-Takten von Ritchies Keyboards könnte man glatt eine Stecknadel fallen hören.

 

Drei Songs weiter steuern wir schon auf das Finale zu – zum Glück hat der KAPITÄN nicht nur Mann und Maus, sondern auch die Meute vor der Bühne im Griff, so dass das Publikum schnell wieder mit voller Power bei der Sache ist. Und so beweisen die Hamburger Konzertbesucher beim Titelsong des neuen Albums, dass auch in ihnen drin alles rot und das Gegenteil von tot ist. Während lautstark der Refrain mitgesungen wird greift Ritchie für die Alles Rot Reprise wie gewohnt zur Akustik-Gitarre, um Anna zumindest leihweise seine Keyboards zu überlassen. Und dann stehen unsere drei Helden gemeinsam am Bühnenrand, bringen die Leute auf Touren und die Saiten zum Glühen – besonders Uwe spielt sich dabei in eine andere Dimension.

 

Der schon mit Vorfreude ersehnte Zugabeblock bringt uns endlich BATAILLON D'AMOUR mit Jäckis einmalig schönen und sinnlichen Bass-Part und LEG MICH FEST. Als die bekannten SONNENBLUMEN auf der Videowand erscheinen, schicken die SILLYs auch heute ihren ganz persönlichen Gruß an Tamara. Mit diesem Song, der nicht nur für die unvergleichliche Frontfrau selbst, sondern auch für die Vergangenheit und Gegenwart der Band steht. Ein Song, der einen Kloß im Hals beschert und gleichzeitig zum Träumen einlädt – vom glücklichen Neustart mit Anna, von den Live-Erlebnissen, die ohne sie nicht mehr möglich wären und von der Zukunft, die uns hoffentlich noch viele dieser Songs mit den poetischen und authentischen Texten sowie den einzigartigen, hymnischen Arrangements bringen wird.

 

Etliche Fans warten nach dem Konzert am Bühnenrand und sind glücklich, als die SILLYs nur kurze Zeit später erscheinen, um noch zahlreiche Autogramm- und Fotowünsche zu erfüllen. In der Hitze dieser Nacht hat ALLES ROT auch die Fabrik in Hamburg infiziert. Dass sich der SILLY-Virus im Norden, Osten, Süden oder Westen Deutschlands gleichermaßen verbreitet, macht Musiker und Fans froh. Es ist schön, zu erleben, dass die Fans auf beiden Seiten des ehemals eisernen Vorhangs mit den Musikern die Hallen rocken und zeigt uns: SILLY ist 20 Jahre nach der Wende in Gesamt-Deutschland angekommen.

 

Grit aus Berlin

 

Fotos: Sandra & Grit

 

 

zu den Fotos (Diashow)

 

 

 

Ein großes Dankeschön an unser Fanclubmitglied Grit

für ihren ganz persönlichen und emotionalen Bericht
sowie an unsere beiden Fanclubmitglieder Sandra & Grit,

die für uns Beide Hamburg mit gerockt haben, für die vielen tollen Fotos.

 

 

 

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