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Déjà vu im "Alten Schlachthof"
in Dresden am 22.11.2010
Mein persönliches Herbst-Highlight hatte ich
schon seit langem geplant: Sechs Konzerte in acht Tagen sollten es werden (nein,
nicht alles SILLY-Konzerte). Der Abend in Leipzig war schon mal super gelaufen
und wir warteten gespannt auf die Fortsetzung. Aber Moment, irgendwie kam uns
das bekannt vor – Start im Easy Auensee, Fortsetzung im Alten Schlachthof...
Für Abwechslung war trotzdem gesorgt, denn die
SILLYs hatten sich auch für die Herbsttour wieder etwas Besonderes einfallen
lassen. Dazu gehörten vor allem die Fantreffen vor den Konzerten. Meine
Vorfreude war doppelt so groß, seit ich wusste, dass ich gemeinsam mit Elke zum
Dresdner Fantreffen gehen konnte. Am frühen Montagnachmittag trafen wir uns also
und überlegten, wie das Ganze wohl ablaufen würde. Wir hatten zwar keine Ahnung,
aber bereits nach kurzer Zeit machten sich Unruhe und Stress breit, denn wir
wollten um keinen Preis zu spät kommen oder gar das Treffen mit den SILLYs
verpassen.
Wir machten uns auf den Weg und so kam es, wie
es kommen musste. Wir waren natürlich viel zu zeitig am Alten Schlachthof. Als
wir nach einer großen Runde um das Gelände kurz vor 18:00 Uhr wieder dort
ankamen, waren auch die anderen glücklichen Gewinner schon da. Beim Austausch
über diverse Konzerterlebnisse verging die Wartezeit ziemlich schnell. Einige
Zeit später holte uns Tourmanagerin Andrea am Eingang ab, verteilte die Fanpässe
und erklärte uns kurz, was uns erwartete.
Dann
wurde es ernst… Im Foyer des Alten Schlachthofs wurden die Jacken abgelegt,
Geschenke ausgepackt und dann kamen auch schon unsere vier Helden. Den größten
Lacher erntete Uwe, der sich vorsichtshalber erstmal reihum bei allen
vorstellte. Zum Glück waren die Anwesenden bestens informiert und so erkannten
wir auch die anderen drei ohne Probleme. Da uns nicht allzu viel Zeit blieb,
versuchten alle, sich ihre mitgebrachten Fotos, CDs und Plakate signieren zu
lassen und mit den SILLYs ins Gespräch zu kommen. Bei der Gelegenheit konnten
wir von Ritchie in Erfahrung bringen, dass die SILLYs den Faden für das nächste
Album schon aufgenommen haben und diesen nun Stück für Stück weiter spinnen
wollen. Die Aussicht darauf freute uns besonders, da wir wohl diesmal nicht
wieder 14 Jahre lang auf ein neues Album warten müssen.
Nebenbei fotografierten wir uns gegenseitig
und als krönenden Abschluss gab es ein Gruppenfoto. Und dann war schon wieder
alles vorbei… Für unseren Geschmack war das Fantreffen natürlich viel zu kurz,
aber dafür intensiv. Und so bewegten sich lauter glückliche Fans, noch vor
Einlassbeginn, direkt vor die Bühne. Ein breites Grinsen zierte unsere Gesichter
– so leicht hatten wir unsere Plätze in der ersten Reihe noch nie ergattert.
Für die Herbsttour hatte Axel Bosse den
Support übernommen. Mit seinen etwas ruhigeren Songs stimmte er uns auf die
SILLYs ein und verkürzte so die Wartezeit. Und nach der gewohnten kurzen
Umbaupause sollte dann endlich das Ereignis des Abends starten. Auch wenn manche
Leute glauben mögen, dass bei den Konzerten alles wie gewohnt abliefe, quasi
immer dasselbe – das stimmt keineswegs. SILLY wären nicht SILLY, wenn sie ihre
Fans nicht immer wieder überraschen würden. Da werden bekannte Songs neu
präsentiert, lustige Geschichten aus dem Touralltag zum Besten gegeben und bei
jedem Konzert gibt es andere Details auf der Bühne zu entdecken.
Natürlich
freuen wir uns schon vorher auf die bekannten Details – auf das Intro, bei dem
sich ein wohlig warmes Gefühl der Vorfreude ausbreitet und die steigende
Intensität der Musik dafür sorgt, dass wir es kaum noch erwarten können, bis
nach den Schattenspielen endlich die sieben Musiker „livehaftig“ zum Vorschein
kommen. Denn dann geht es so RICHTIG los… Mit „Nackter als du“ sind die SILLYs wie auch
die Fans voll dabei. Das Geschehen auf der Bühne nimmt mich wie immer schnell
gefangen und ich lasse mich gern von der Wirkung der Musik faszinieren… Bei
„Erinnert“ erwartet uns dann eine angekündigte Überraschung. Viele Fans haben
Fotos von ganz persönlichen Momenten der Erinnerung und Besinnung an die SILLYs
geschickt und hoffen nun, diese in der Show zu entdecken. Ich bin wieder einmal
hin und her gerissen: Soll ich nun versuchen, mein Foto zu entdecken oder
einfach nur den Song genießen? Zum Glück gelingt mir beides und schon kann ich
meinen Gedanken einen weiteren besonderen Moment hinzufügen, der mich an mich
erinnert.
Danach wird es lauter, denn jetzt kommen die
rockigen, kraftvolleren Songs. Einen nach dem anderen kennen wir sie bestens und
singen natürlich lautstark mit. Die Furcht der Fische, S.O.S., Mont Klamott…
Aber plötzlich setzen – abgesehen vom Schlagzeug – die Instrumente auf der Bühne
aus und Anna fordert uns auf, den Berg gemeinsam nach Dresden zu bringen. Das
Publikum greift das rhythmische Klatschen auf und so verwandelt sich der Alte
Schlachthof in eine riesige begeisterte Akustik-Session. Noch Wochen danach habe
ich jedes Mal, wenn ich daran denke, den kraftvollen Rhythmus sofort wieder im
Ohr und die Erinnerung an das Gefühl, dass der Mont Klamott auch mitten in
Dresden stehen könnte.
Beim
folgenden Ausflug in die SILLY-Vergangenheit haben wir Gelegenheit, wieder zur
Ruhe zu kommen, uns an die Schätze der Vergangenheit zu erinnern und zu träumen.
Ich muss grinsen, als Uwe die Hookline von „Alles Rot“ anspielt und dann den
Kopf schüttelt. Von neuem fällt das Publikum darauf rein, aber Eingeweihte
wissen natürlich, dass die Runde mit „Flieg“ eröffnet wird. Als dann die ersten
Takte von „Asyl im Paradies“ erklingen, ist er wieder da, der dicke Kloß im
Hals. Und trotzdem freue ich mich, dass sich gerade dieser Song auf der Setlist
verewigt hat, der für mich so untrennbar mit SILLY verbunden ist. Mit den
philosophischen Überlegungen zur kleinen Frau und ihrer großen Lust und der
Frage nach dem „Warum ich“ gelingt der Übergang zum Hier und Jetzt nahtlos.
Während auf der Bühne noch ein bisschen
umgeräumt wird, geht schon voll die Post ab. Die ersten Takte klingen etwas
ungewohnt. Doch ich erkenne „Erster sein“ – eine neu arrangierte, sehr rockig
und dynamisch umgesetzte Variante. Plötzlich offenbart der Song, der mich beim
ersten Hören nicht so richtig überzeugt hat, völlig neue Facetten. Aber das war
schon immer typisch für SILLY-Songs – man muss sie sich häufig Schritt für
Schritt erschließen. Haben sie sich dann einmal in Ohr und Hirn festgesetzt,
bleiben sie dort.
Von
Anfang an beigeistert hat mich hingegen der „Kapitän“ und das ist auch heute
Abend nicht anders. Ich finde ständig Parallelen zu bestimmten Situationen und
Personen. Dann kommen wir wieder einmal viel zu früh zu dem Song, den Anna als
den letzten ankündigt. Ich werde das Gefühl nicht los, dass sich „Alles Rot“
schon nach wenigen Monaten zur Hymne entwickelt hat. Zu einer Hymne, die sich
etliche SILLY-Fans zu Eigen gemacht und zu Herzen genommen haben.
Dementsprechend laut singt und klatscht das Publikum mit, aber die SILLYs wollen
mehr… und sie bekommen mehr. Als von Anna die Ansage kommt, dass das auch lauter
ginge, wird der Chor tatsächlich noch lauter – so laut, bis Ritchie grinsend
meint „Na siehste, geht doch“. Nahtlos geht es in die Reprise über, bei der die
SILLYs gnadenlos die Bühne rocken. Es sieht so aus, als wollten Anna und die
Jungs jetzt die Power zurückgeben, die sie eben noch aus dem Publikum erreichte.
Und das gelingt ihnen absolut – so gut, dass
das Publikum lautstark pfeifend und klatschend nach Zugaben verlangt. Auch unter
den Zugaben erwartet uns eine Überraschung. Nach dem bestens bekannten und von
mir bereits sehnsüchtig erwarteten „Bataillon d’Amour“ und „Leg mich fest“ gibt
es dann im zweiten Zugabenblock noch einmal „3 Millionen“. Den Song von Axel
Bosse hatten wir zwar schon im Vorprogramm gehört, aber in der gemeinsamen
Version mit den SILLYs wird noch mehr Energie frei gesetzt. Der Titel kommt sehr
dynamisch und eindringlich rüber. Und die Botschaft lautet: Leute geht raus und
seht nach, ob unter den drei Millionen in Eurer Stadt jemand ist, der Euch
versteht…
Unaufhaltsam
geht es dem Konzertende entgegen. Aber vorher verrät Anna uns noch, dass auch
Jäckis Bassstudenten beim Konzert seien. Natürlich hat sie ein paar Tipps parat,
wie sich die Studenten bei ihrem Prof. einschleimen könnten: Es gäbe da so
schöne Dinge am Merch zu kaufen, mit denen sie sicher bei der nächsten
Bassarbeit punkten könnten… Was auch immer hinter der „Bassarbeit“ steckt – sie
hat es uns nicht verraten. Aber zumindest hat sich Jäcki über diese Tipps
köstlich amüsiert. Genauso ging es uns bei den zahlreichen Episoden, die wir im
Laufe des Abends im Geschehen auf der Bühne entdeckt haben. Ob es Daniel ist,
der den Einsatz für Ronny vorgibt oder Herrn Petereit das imaginäre Mikro hält.
Ob es Jäcki und Herr Petereit sind, die das Traumpaar geben, das sich auf die
Liebe festlegt. Oder ob es Uwe ist, der bei „Alles Rot“ das Letzte aus der
Gitarre holt, während Anna an Ritchies Keyboards rockt…
Bei der Verabschiedung vom Fantreffen hatte
uns Ritchie noch viel Spaß für das Konzert gewünscht. Den hatten wir definitiv –
und zwar nicht zuletzt, weil wir sehen, hören und fühlen konnten, dass auch die
SILLYs auf der Bühne ihren Spaß hatten und den Abend genossen. Bei der
ansteckenden Begeisterung war es also nicht verwunderlich, dass nach der x-ten
Verbeugung die Gesichter der Menschen vor und auf der Bühne gleichermaßen
strahlten. Genau das ist die Wirkung des SILLY-Virus…
Grit aus Berlin
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den weiteren Fotos (Diashow)
Fotos: Grit aus Berlin
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