|
|
|
Forum
|
Vor
fast genau drei Jahren, am 03.11.2006, im hiesigen Theater. Die junge blonde Schauspielerin Anna Loos hielt ihr Debüt als Gastsängerin der sich gerade wieder neu formierten Band
Silly… Heute, am 16.09.2009 auf dem Marktplatz zu Greifswald - Anna erinnert sich: "Wie hab ich gezittert, als ich damals auf die Bühne sollte. Ich hatte richtige Angst…, aber als ich die vielen netten Menschen sah, in die strahlenden Gesichter blickte, den wohlwollenden Applaus wahrnahm - war das Eis gebrochen. Dies war wohl der Augenblick, in dem ich wusste, ich will weiter machen. Ich will dabei sein… Greifswald, Du bist schuld!"
So in etwa eröffnete Anna das heutige Konzert. Strahlend, bewegt, unter tosendem Applaus der über 3.000 Menschen, die sich auf dem Marktplatz versammelt hatten.
Vor gerade einmal einer Stunde schien der Marktplatz noch leer. Hier und dort einige kleine Grüppchen plaudernder Leute. Bratwurst essend, das Getränk ihrer Wahl in der Hand oder einfach nur zusammen
stehend. Langsam rückten einige Leute zur Bühne vor, doch alles in allem deutete nichts auf das, was in Kürze auf uns wartete. Auch Anna war dies nicht verborgen geblieben: "Mensch, wo kommen denn all die vielen Leute her? Als ich vor einigen Minuten auf den Marktplatz schaute, dachte ich noch, es würde wohl kaum jemand kommen, unserer Musik zu lauschen…", teilte sie dem Publikum mit verschmitztem Lächeln mit.
Dann aber: Musik, Musik, Musik! Die Band rockt ganz Greifswald (natürlich die eigens zu diesem Event angereisten Gäste auch). Lichtblitze, Nebel,
Gitarrenklänge und natürlich Annas wunderbare Stimme…
In mir beginnt es zu brodeln, das Vibrieren in der Magengegend, welches ich schon unzählige Male beim Erleben guter Konzerte genoss. Da! Da war es wieder… Gänsehautgefühl! Schon in Freiberg verspürte ich es. Ich weiß nun, hier bin ich zuhause! Genau das, ja das ist die Art Musik, die ich liebe. Sicherlich, es mag sein, dass die Erinnerung jener Lieder die Initialzündung meines Empfindens ist, aber heute, mit dem Abstand der Jahre genieße ich es neu, anders, vielleicht mehr denn je.
Nahezu jeder Song ist mir eigenartig vertraut und doch wieder neu. Textzeilen, schon halb dem Vergessen preisgegeben, erscheinen klar vor mir. Ich singe mit. Erst leise, nur für mich, dann lauter, gemeinsam mit Anna und dem begeisterten Publikum. Aaah, jetzt: "Mont Klamott"… , Kino in meinem Kopf. Ich sehe mich wieder als Mädchen von ca. 12 Jahren mit meiner Hündin den Berg erklimmen. Wir stehen auf dem Dach dieser Stadt, schauen hinunter und ich frage mich, wie dieser Berg wohl entstand. Ja, es ist meine Stadt die besungen wird. Heimatgefühl macht sich breit. Gäääänsehaut!!! "Paradiesvögel fängt man nicht ein…", da ist was dran, denke ich. Ach, möge jedem, der es zu schätzen weiß, ein solcher Vogel zufliegen … und bleiben, freiwillig, aus freien Stücken. … Es berührt mich. Jedes dieser Lieder auf die ihm eigene Art. Die Klänge der Instrumente, die Komposition, der Text und die Ausstrahlung der Akteure.
Feuerwerk im Herzen, Momente ungeahnten Glücks, vergänglich wie die Klänge aus den Lautsprechern, aber unvergesslich schön. "Wo bist
du, wo bist du, warum kommst Du nicht…", Annas Lieblingslied ergreift mich und wird auch zu meinem. Etwas Traurigkeit macht sich breit. Weiß ich doch, dass dieses Konzert nun fast wieder Geschichte ist. Aber auch Freude schließt sich in mein Herz. Es wird nicht das Letzte sein und die Aussicht auf eine neue CD und eine Tour nächstes Jahr lässt mich fast ungeduldig werden. Auch die Huldigung des heutigen Geburtstagskindes
(Daniel) stimmt mich froh. Die neue Silly-Generation wächst heran, reift und wird die "Familie
Silly" weiter vorantreiben. Und Dankbarkeit macht sich breit: Danke Greifswald! Danke, dass Du schuld bist! Danke, dass Silly mit Anna Loos die perfekte Frontfrau "wieder" - nein! NEU gefunden hat!
Durch einen *KLICK* auf die Fotos können diese vergrößert werden
Fotos von René Homuth
Der
Norden rockt und genießt
Durch die Stadtfeste im Sommer hatte ich mich daran gewöhnt, schon am frühen Nachmittag zum Silly-Konzert zu starten. Das positive daran war, dass ich mich vor dem Konzert noch mit anderen Fans treffen konnte – weniger toll war, dass es die Wartezeit mit diversen Bands (leider nicht immer den besten) zu überbrücken galt, bevor endlich das Ereignis des Abends startete. Diesmal jedoch ist alles anders…
Silly spielt an einem Mittwoch in Greifswald, da besteht die erste Herausforderung darin, rechtzeitig aus dem Büro wegzukommen. Das hat schon mal nicht geklappt und dann dauert es mit dem Stau Richtung Norden eine gefühlte Ewigkeit, bis ich endlich aus Berlin raus bin. Mit einer Mischung aus Wut und Vorfreude im Bauch fahre ich die Strecke in Rekordzeit. Und trotzdem kommt es, wie es kommen muss – als ich auf dem Markt in Greifswald eintreffe, laufen bereits die ersten Takte…
Bei "Unter'm Asphalt" kann ich mich zum Glück in die erste Reihe drängeln und schnell in den "Konzertmodus" umschalten – der Nebel, das blaue Licht und vor allem die Bass- und Gitarrenklänge ergreifen mich wie immer sofort. Die ganz besondere Begrüßung von Uwe, Jäcki und Ritchie bringt mich jedesmal in Versuchung, einfach nur die Augen zu schließen, tief durchzuatmen und zu genießen… Aaaah, endlich wieder Silly live erleben und die Akkus auftanken.
Als Anna dann mit den "Verlornen Kindern" auf die Bühne kommt, geht es ihr wie mir kurz vorher – wir sind von den Nordlichtern angenehm überrascht. Obwohl der Markt noch kurz vor dem Konzert ziemlich leer war, ist der Platz vor der Bühne jetzt gut gefüllt und das Publikum altersmäßig bunt gemischt. Alte und neue Silly-Fans sind genauso vertreten wie solche, die es noch werden wollen und alle genießen das Konzert ganz offensichtlich. Vor allem bei "Asyl im Paradies" habe ich bei der Stimmung hier in Greifswald das Gefühl, als wäre Tamara irgendwie mit dabei. Und obwohl ich den Song inzwischen wohl schon tausendmal gehört habe, muss ich wieder die aufsteigenden Tränen wegblinzeln.
Dass die Frauen auch im Norden richtig Power haben, zeigen sie bei "So 'ne kleine Frau". Bei "Hurensöhne" müht sich Anna dann wie so oft, das Publikum mit ihrem auffordernden Blick und der praktischen Vorführung zum Mitklatschen zu bewegen. Aber die Nordlichter gehen eben nicht so schnell aus sich raus. Auch wenn sie den Männern mit dem Hinweis "…einfach klatschen, das ist ja nun wirklich nicht so schwer…" eine zweite Chance gibt, zündet ihre Animation nicht wirklich. Dafür singen die meisten im Publikum begeistert mit – hier sind wohl die Genießer in der Überzahl.
Was jedes Silly-Konzert für mich so einzigartig macht, sind die Kleinigkeiten, die sich ganz nebenbei auf der Bühne abspielen. Die Blicke und Gesten untereinander zeigen den Spaß, den auch die Musiker selbst beim Konzert haben. Und dass Jäcki und Herr Petereit vor lauter Begeisterung den ersten Einsatz beim "S.O.S."-Refrain (fast immer) verpassen, gehört einfach dazu. Kein Wunder, dass ich wieder mal eine geniale Atmosphäre mit Power und Gänsehaut in ständigem Wechsel erleben darf.
Obwohl Sympathie zwischen dem Norden und den Hauptstädtern nicht selbstverständlich ist, ist sie hier in Greifswald deutlich zu spüren. So kommt auch "Mont Klamott", das Berliner Gastgeschenk, beim Greifswalder Publikum super an. Der guten Stimmung besonders zuträglich ist der Hinweis, dass die Elektroakustik-Tour mit Anna vor fast drei Jahren hier in Greifswald begann. So sind also die Greifswalder schuld daran, dass Anna und die Sillys in eben jener Besetzung weiterhin auf Tour sind. "Danke Greifswald!" kann ich dazu nur sagen. Ich mag mir gar nicht vorstellen, was uns sonst entgangen wäre… Annas Versprechen, dass das heutige zweite Konzert in Greifswald nicht das letzte bleiben soll, wird vom Publikum dankbar aufgenommen. Mit der Aussicht auf die hoffentlich bald erscheinende neue CD, von der ganz bewusst noch kein Song gespielt wird, macht sie auch hier die Zuhörer neugierig. Allerdings habe ich das Gefühl, dass es auch den Sillys immer schwerer fällt, von den neuen Songs noch nichts verraten bzw. spielen zu können. Zum Glück kann ich ja hier nochmal in die altbekannten Titel eintauchen… Bei "Bataillon d'amour" denke ich an meine erste Silly-LP zuhause im Schrank und daran, wie alles anfing für mich mit Silly und dem von mal zu mal steigenden Suchtfaktor. Wie immer vergeht die Zeit viel zu schnell und es folgt schon die Vorstellungsrunde, die heute wieder ganz speziell ist, weil Daniel Geburtstag hat. Und da Anna üblicherweise Uwe als einzigen Mann auf der Welt vorstellt, der auf der Gitarre singen kann, fordert sie ihn auf, genau das jetzt zu tun. Das lässt er sich natürlich nicht zweimal sagen und spielt seinem Sohn ein ganz spezielles "Happy Birthday" auf der Gitarre – natürlich vom allerfeinsten und das Greifswalder Publikum singt dazu.
Als Ritchie dann zur Gitarre greift, weiß ich, dass einer meiner Lieblings-Songs nah ist, aber leider auch das Konzertende. Für "Bye Bye Reprise" wünsche ich mir wieder vergeblich eine Endlosschleife – da heißt es nochmal die Energie aufnehmen, die die Jungs aus den Instrumenten holen, damit es auch reicht bis zum nächsten Konzert. Dass die Nordlichter treu sind und Sturheit nicht immer negativ ist, zeigt sich zum Schluss. Nach der ersten Zugabe mit "Wo bist du" und "Schlohweißer Tag" verlangt das Publikum so lange nach einer zweiten, bis die Sillys nochmal auf die Bühne zurückkommen. Und so erklingt nach dem Konzert in Ebersbach endlich mal wieder "Landekreuz auf meiner Seele" – ein weiterer meiner Lieblingssongs. Dann bedanken sich auch die Sillys beim Publikum für den gelungenen Abend und die letzten Töne des Konzerts erklingen von Basti, der mit sich mit der Textzeile "…wenn die Trommelstöcke ruh'n…" verabschiedet und einen Drumstick in das Publikum wirft. Das Konzert fügt sich ein in meine ganz persönliche Reihe unvergesslicher Silly-Live-Erlebnisse. Die feinsinnigen und lyrischen Texte, die auch Jahre nach der Erstveröffentlichung nichts von ihrer Aktualität verloren haben, passen gestern wie heute in die Zeit. Der Begeisterung und Ausstrahlung der Musiker, Annas Stimme und ihrem ganz besonderen Charme kann und will ich mich nicht entziehen. In diesen Songs finde ich mich wieder – ob ruhig oder rockig, für mich sind sie alle inspirierend und kraftvoll, sie haben einen eigenen Drive und geben mir Energie.
Was bleibt, ist die Vorfreude auf das nächste Konzert in Teltow. Aber auch ein bisschen Wehmut, weil es wohl mein letztes Silly-Konzert in diesem Jahr sein wird. Die Wartezeit bis zur neuen CD wird vermutlich lang – ich hoffe nur, dass die CDs und DVDs die ständige Belastung aushalten, auch wenn sie das Live-Erlebnis nicht wirklich ersetzen können…
Ein großes Dankeschön an Birgit & Grit
|